Samstag, 8. Oktober 2016

Mein Jahr mit den Blinden

Hallo meine Lieben,
heute wollte ich mal ein bisschen was zu meinem freiwilligen sozialen Jahr loswerden.
Ich habe mein FSJ in einer Schule für Blinde und Sehbehinderte in Hamburg absolviert. Neben der Arbeit in der Einsatzstelle habe ich auch noch regelmäßig in den Schulferien Seminare gehabt. Diese wurden bei meinem FSJ-Träger abgehalten, in meinem Fall das Elsa-Brändström-Haus in Blankenese.

Ich wusste während meines letzten Abijahres nicht genau, was ich machen will. Deshalb beschloss ich erstmal ein FSJ in Hessen in der Nähe meines Wohnorts zu machen.
Auf dem Rückweg von einer Familienfeier haben meine Mutter und ich über das FSJ gesprochen und plötzlich kam sie mit der Idee einfach mal in ganz Deutschland zu schauen, was es für FSJ (soziales Jahr) und FÖJ (ökologisches Jahr) Angebote gibt. Ich hatte nicht geglaubt, dass meine Eltern mir erlauben würden weiter wegzuziehen für so ein freiwilliges Jahr. Aber auf meine Nachfrage meinte meine Mutter, dass sogar Hamburg eine Möglichkeit wäre.
Und es hat sich defintiv gelohnt.

Informationen habe ich hautpsächlich hier gefunden. Aber solltet ihr euch für ein FSJ oder FÖJ interessieren hilft vor allem einfach googeln und dann durch die Ergebnisse durcharbeiten. Es gibt so viele Möglichkeiten und Angebote.

Ich habe mich dann irgendwann für das Elsa entschieden und habe spontan eines Abends vor dem Fernseher meiner Bewerbung losgeschickt.
Nach einem sehr aufschlussreichen Telefonat mit dem Elsa hatte ich dann auch eine Vorstellung was ich genauer machen möchte während des Jahrs und eine e-Mailadresse und Telefonnummer von der Schule.
Ich hatte ziemlichen Bammel vor dem Telefonat, weil ich generell telefonieren mit so offiziellen Sachen nicht so mag (dazu zählen auch Ärzte und Ämter), aber es war zum Glück sehr positiv! Ich bin aber halt generell auch mehr der Mensch, der gerne alles per Mail oder persönlich klärt.

Der nächste Schritt ist die Hospitation in der Einsatzstelle. Das ist einfach ein Probetag, um zu gucken, ob man dort gut hinpasst und um schon mal etwas genauer die Arbeit kennen zu lernen. Auf dem Papier hört sich ja fast alles gut an, aber dann in der Realität sieht es ja doch oft anders aus.
Bei mir war das natürlich alles etwas komplizierter, weil ich ja irgendwie von Hessen nach Hamburg kommen musste.
Eine gute Sache an den Hessen ist, dass sie gerne Fasching feiern und deshalb sogar ihren Kindern am Rosenmontag schulfrei geben. Die Hamburger sind nicht so die Faschingsfeierer und gehen deshalb Montags trotzdem zur Schule. Das war mein Glück, denn so konnte ich an Faschingssamstag, gleichzeitig auch Valentienstag, nach Hamburg reisen und Montags zum Probetag in die Einsatzstelle gehen.
Bevor ich sogar bestätigen konnte, dass es mir in der Einsatzstelle gefallen hat, bekam ich schon meine Zusage.
Danach suchte ich mir noch ein Zimmer in Hamburg und dann konnte mein FSJ schon starten.

Eins ist klar: Als FSJler ist man die letzte Position in der Nahrungskette. Man muss fast alles machen. Ich habe natürlich mega viel mit den Schülern gemacht. Von Beaufsichtigung in der Pause über Hilfestellungen bei Aufgaben bis zu Hilfe bei der Hygiene (Toilette, evtl. Zähne putzen, etc.) ist echt alles dabei.
Und dann muss man auch mal die Geduld beweisen und z.B. mit einem Schüler fünfzig Mal Ringe auf einen Holzstab aufstecken und wieder runternehmen. Oder man sitzt mit einem Schüler in einem Raum, hört Musik oder ein Hörspiel und sieht dem Schüler beim Entspannen und Schlafen zu.
Aber nicht nur die Arbeit mit den Schülern gehört dazu. Ich habe auch Botengänge erledigt (zum Teil auch mit Schülern). Einkaufen im Lidl, kopieren und ausdrucken, Briefe in den Fächer von Kollegen verteilen, beim Aufbau von Veranstaltungen helfen.

Während meines FSJs habe ich sehr viel gelernt. Über mich, über Sehbehinderungen und Blindheit, über Behinderungen, über das Leben. Ich habe wahnsinnig viele Menschen kennengelernt, neue Freunde gefunden. Meine besten Freundinnen sind FSJ-Kolleginnen und meine Vorgängerin aus meiner Klasse.

Heute will ich den Post mal mit einem Zitat beenden.

Do. Or do not. There is no try. - Yoda

Also wenn ihr ein FSJ machen wollt, dann macht es. Sucht euch einen Träger, schreibt eine Bewerbung, zieht es durch. Selbst wenn ihr während des FSJs merkt, dass es doch nichts für euch ist, könnt ihr immer noch die Reißleine ziehen. Dafür gibt es schließlich die Möglichkeit zu kündigen.

Liebe Grüße
 

Kommentare:

  1. wow elch wunderbarer Bericht, danke fürs teilhaben lassen meine Liebe.
    Ich drück dir für deine weitere Zukunft in Hamburg alle Daumen.

    LG Sheena

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